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Multikulti

Warnung vor Überforderung

Die Diskussion um die Integration von Ausländern hat nach den Anschlägen in den Niederlanden die Einstellungen der Deutschen in kurzer Zeit deutlich verän-dert. Nachdem sie jahrelang versuchten, Political Correctness zu üben und nur kein falsches Wort über die Immigration zu verbreiten, erklären nun plötzlich 62 Prozent die Integration der Ausländer in Deutschland für gescheitert.

Die Deutschen geben sich auf einmal ziemlich neue Antworten auf die drei ent-scheidenden Fragen unserer Ausländer- und Integrationspolitik: Wollen wir wei-terhin einen Zuzug wie bisher? Die Deutschen sagen mit klarer Mehrheit nein. Wie halten wir es mit den bei uns lebenden Ausländern? Die Deutschen wollen die Bedingungen für deren Aufnahme verschärfen und nun unsere Vorteile stärker beachtet sehen. Und wie halten es die bei uns lebenden Ausländer mit uns? Nicht so, wie wir es wollen. Wir fänden es nämlich besser, würden sie sich weit stärker als bisher um Integration bemühen.

Weil ein weiterer Zuzug durch den Beitritt der Türkei in die EU erleichtert wür-de, hat sich die Zustimmung der Deutschen zu einem Beitritt der Türkei in die EU schlagartig verringert: Im Oktober begrüßten noch 40 Prozent einen Türkei – Beitritt, aktuell sind es nur noch 32 Prozent. Dafür stieg die Quote der Bei-trittsablehner von 54 auf 63 Prozent deutlich an. Immerhin hätten 41 Prozent sogar die Union - Idee einer Unterschriftenaktion gegen einen möglichen EU – Beitritt der Türkei unterstützt.

 Hinter dem Meinungswandel steckt dreierlei. Das eine ist zunehmende Angst, dass der Terror auch Deutschland erreicht. Immerhin halten 57 Prozent die Ge-fahr von religiös motivierten Gewalttaten in Deutschland für ähnlich hoch wie in den Niederlanden. Daher wollen 71 Prozent die Zuzugsregeln für Nicht EU – Ausländer verschärfen und gleich 87 Prozent die Abschiebung von terrorver-dächtigten Ausländern erleichtern. Wegsehen und dulden gilt also nicht mehr als unser Beitrag zur Integration.

 Die immer stärker werdende Beunruhigung über unsere wirtschaftliche Lage ist der zweite Grund unseres Meinungswandels: Immer häufiger wird Eigennutz propagiert. Inzwischen votieren 74 Prozent der Deutschen für ein Einwanderge-setz, das uns nach einer Art „Einkaufzettel“ sagen soll, wann, wie viele und wel-che Ausländer zu uns kommen dürfen. Auf Dauer, so deren Meinung, kann es sich auch Deutschland nicht mehr leisten, Ausländer frei von Eigeninteressen ins Land zu lassen.

Die so empfundene Disparität zwischen Geben und Nehmen ist der dritte Stör-faktor. Lange Zeit war der Ausländerzuzug in Deutschland vor allem von den Interessen der zu uns Kommenden gesteuert. Nun kritisieren Zweidrittel deren mangelnde Integrationsbemühungen. Immer mehr Deutsche befürchten, dass durch die Bildung eigener Gemeinschaften auf Dauer unser innerer Frieden zer-stört werden könnte. Derzeit wollen 58 statt 44 Prozent wie noch vor zwei Mo-naten  vornehmlich die Ausländer aufnehmen, die wir, nur noch 37 statt vor al-lem die, die uns benötigen.

 Eine verschärfte Zuwandererpolitik allein reicht den Deutschen nicht aus. So lange wie die Mehrheit die notwendige Integrationsbereitschaft vermisst, erwar-ten wir von den Ausländern, dass einige grundsätzliche Bedingungen eingehal-ten werden: 68 Prozent halten es für wichtig, dass sich die bei uns lebenden Ausländer den Werten und der Kultur in Deutschland anpassen. Unabdingbare Bleiberechtsvoraussetzung sind für neun von zehn ausreichende Deutschkennt-nisse. Und drei von vier wollen keine Kinder ohne Deutschkenntnisse einge-schult sehen. Ein Hindernis ist für viele auch das Tragen von Kopftüchern: 54 Prozent stimmen dem Kopftuchverbot im öffentlichen Umgang zu. Dagegen wollen nur 35 Prozent das Tragen der christlichen Nonnentracht im Unterricht verbieten.

 Noch warnen die Deutschen vor der so von ihnen empfundenen Überforderung.

Das muss nicht auf alle Zeit so bleiben.

                                                Klaus-Peter Schöppner

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