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Der Düsseldorfer Knotenpunkt der Stiftung Liberales Netzwerk hatte am Nikolaus-Abend zu einem Vortrag des Duisburger Prämonstratenser-Paters Dr. Philipp Reichling in den Industrie-Club geladen. Vor rund 150 Gästen sprach der Pater zum Thema "Neue Religiosität - Rückbesinnung auf alt e Werte? Reflexionen am Ende eines Papstjahres" .
Seine Darstellungen zur Kirchen- und nicht zuletzt auch Philosophiegeschichte Europas setzte der Pater bei der Wahl Benedikts des XVI. im Jahre 2005 an: Wäre vor 20 Jahren denkbar gewesen, daß die BILD-Zeitung nach seiner Wahl titelte: "Wir sind Papst" ?
Was mögen die Ursachen dafür sein, daß die deutsche Bevölkerung heute einem Papst zujubelt, wie sie es seit langem nicht tat? Lag es nur an der medial-soureränen Vorarbeit von "Dschäipituh" , wie der Vorgänger Benedikts des XVI. im liebevollen Anglizismus gerufen wurde? Oder gibt es ein tieferes Bedürfnis nach der Auseinandersetzung mit alten - und also vielleicht " ewigen" - Werten, das sich nicht einmal durch die kontrastreich mediale Zurückhaltung Benedikts des XVI. gegenüber seinem Vorgänger verliert?
Vielleicht - mutmaßte der Pater - seien auch die heutigen Eltern nach Jahrzehnten der Rechtfertigungsdebatten mit Ihren Kindern in nichtendenwollenden Warum-Schleifen der Begründungszwänge müde und wollten einfach nur auf die Verläßlichkeiten jahrhundertealter Erkenntnisse zurückgreifen. Gleichwohl bleibe für Kirche der andauernde Auftrag, auch die eigenen Positionen nicht unproduktiv als nur festgemauerte Dogmen zu betrachten, sondern diese Einsichten kontinuierlich fortzuentwickeln. Was - beispielsweise - stecke doch auch bis heute in den 10 Geboten für eine hermeneutische Potenz, wollte man sie nicht nur als unbedingte Imperative verstehen, sondern als Feststellungen, die da etwa lauten: Du mußt nicht mehr einen anderen töten, denn Du hast das gelobte Land mit mir, Deinem einen Gott, erreicht.
Wie modern und relativistisch selbst die alten katholischen Philosophen sein können, erfuhr der erste Fragende nach dem Vortrag, der auf solche Wertungswidersprüche wie den zwischen Weltjugendtag und Kondom-Einsatz hinwies: Schon Nicolaus Cusanus habe die coincidentia oppositorum gelehrt, den Zusammenfall der Gegensätze in der Ewigkeit. So sei das eben: Man muß auch Widersprüche bisweilen schlicht aushalten. |