Der Knotenpunkt Lippe/Detmold des Liberalen Netzwerkes lud am Freitag, 27. Januar 2006 ein zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Pater Eberhard von Gemmingen SJ, dem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan in Rom zum Thema "Renaissance des Glaubens: Rückbesinnung oder Modeerscheinung?" in das Haus der Immoblie in der Detmolder Innen-stadt. Über 250 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Detmold und der Umgebung folgten der Einladung in den Abendstunden bei winterlich zweistelligen Minus-Außentemperaturen.
Pater Eberhard von Gemmingen, (rechts) und Stephan Prinz zur Lippe (links)
Die aktuelle Fragestellung zur Renaissance des Glaubens, der hochkarätige Referent, Pater Eberhard von Gemmingen direkt aus Rom und die Historie der attraktiven Veranstaltungsreihe des Liberalen Netzwerkes Lippe in den vergangenen Jahren in Detmold und Umland initiiert von Stephan Prinz zur Lippe und Thomas Trappmann waren die Erfolgsgaranten dieser Veranstaltung. Im Veranstaltungs-gebäude der Volksbank (Haus der Immobilie) kam Universitäts-Hörsaal-Atmosphäre auf, trotz einer vorsorglich-umsichtigen Bestuhlung auf allen möglichen Flächen, reichten die Sitzplätze für die erfreuliche Vielzahl von etwa 250 Interessierten nicht aus und ein Dutzend Teilnehmer folgten dem Geschehen im Stehen. Die Stadt Detmold im Lipperland gilt als überwiegend protestantisch, gleichwohl ist das Erzbistum Paderborn nur wenige Kilometer entfernt, so dass auch diese regionale Komponente das öffentliche Interesse am gesellschaftlich-religiösen Thema positiv verstärkte.
Der Text des Vortrages von Pater von Gemmingen ist als Word-Datei unter mail@liberaleNetzwerk.de abrufbar, auch das Grußwort von Herrn Thomas Trappmann ist in Textform erhältlich. (Presse-Echo - siehe bitte unten.)
Pater von Gemmingen (69) war am Morgen noch in Rom und kam zum Vortragen und Diskutieren aus Italien bzw. aus dem Vatikan-Staat extra nach Detmold ins Ostwestfälische gereist. Als jahr-zehntelanger Kenner des Vatikans und bislang einziger Journalist, der das seit dem 19. April 2005 im Amt befindliche neue Kirchenoberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI. exklusiv-interviewt hat und die kirchliche Instanz Josef Ratzinger (78) seit seiner Theologie-Studienzeit als Jesuitenpater in Tübingen kennt, wo der heutige Pontifex als Professor Dogmatik und Dogmengeschichte lehrte, erwies sich Pater von Gemmingen als besonderer Gewinn zur unmittelbaren Bericht-erstattung über Glauben, Kirche und Vatikan.
Im direkten Anschluss an den Vortrag des Paters und Journalisten nahm das Publikum die Möglichkeit zur Diskussion rege auf. Fragen nach der Vermittlung christlicher Werte an Kinder und Jugendliche in Deutschland und die Rolle der katholischen Kirche dabei im Vergleich zur "Jugendarbeit des Islam" mit dem Stichwort: "Koranschule", stellten sich an den Pater aus Rom. Überlegungen zur Ökumene der Kirchen und das Maß der Offenheit der katholischen Kirche dafür, beschäftigten die Gäste. Die Nachwuchssorgen der Kirche für das Priesteramt und die vermeintlichen Hindernisse, die die Öffentlichkeit oft beschäftigen, wie das Zölibat oder der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt und sonstige Kritikpunkte wurden von den Diskutantinnen und Diskutanten an den Kirchenvertreter gestellt. Die evangelische Kirche sei mit liberalen Positionen auch nicht erfolgreicher, was den den Nachwuchs an Würden-trägern oder das Aufkommen von Mitgliedern betreffe, so die "deutsche Stimme des Vatikans".
Dass in Deutschland Glaube und Christentum in der Bevölkerung und der Einfluss der Kirchen, ob evangelisch oder katholisch, nicht so verbreitet und eher rückläufig sei, wie beispielsweise in Missions-Ländern in Übersee oder in südeuropäischen Ländern wie zum Beispiel Italien, Portugal oder Spanien, und dass der christliche Glaube in asiatischen Regionen zum Beispiel in Japan einen Boom erlebe, wurde hinterfragt und erläutert. Die deutschen Verhältnisse weisen beide großen christlichen Kirchen als etwa gleich stark aus, deshalb spiele die Ökumene und der Ruf danach eine gewichtigere Rolle als in anderen Ländern, die Weltkirche habe das Thema Ökumene auch im Fokus und im Vatikan gebe es fortschrittlichere Denkweisen zu dieser Frage.
Die Zukunftschancen auf Nachhaltigkeit einer Renaissance des Glaubens konnten auch von Eberhard vom Gemmingen nicht abschließend verlässlich prognostiziert werden, gleichwohl sei auch die (medien-)öffentliche Behandlung des Themas optimistisch stimmend. Jedenfalls sei die Verlässlichkeit dessen, was die Heiligen Väter, der aktuelle Papst Benedikt XVI. und vor ihm sein vielgeachteter und beliebter Vorgänger Johannes Paul II. öffentlich zu auch in der deutschen Gesellschaft Streitbarem vortragen/verkünden und vorleben, ein ehrlicher Garant für die Gläubigen und auch diejenigen, die den Weg zu Glauben und Kirche suchten - die beiden Päpste der Gegenwart sag(t)en, was sie tun und mein(t)en was sie sag(t)en.
Die Attraktivität der Kirche für die junge Generation sei trotz des erfolgreichen und populären XX. Weltjugendtages, der in 2005 in Köln mit erheblicher öffentlicher Wahrnehmung stattfand, weiterhin steigerbar, dass mehrheitlich meist lebensältere Menschen die Kirchen besuchten, sei der Ist-Zustand. Kirche müsse vermehrt Jugend ansprechen und zum Mittun auffordern und einladen und toleranter gegenüber den nachwachsenden Generationen werden.
Als Journalist, Kirchenkenner und Vatikan-Insider referierte und beantwortete Pater von Gemmingen in seiner sehr fachkundigen Art in eloquenter, auch diplomatischer und bisweilen in heiter-unterhaltsamer Weise alle Aspekte und Fragen im komplexen Themenfeld, konnte zugleich aber nicht auf alles eine Antwort geben, so versprach er, die Anregungen und offenen Fragen mit nach Rom zu nehmen und wies das sehr interessierte und gut vor-informierte Publikum auf seine Arbeit bei und für Radio Vatikan hin, dabei lud der "Medien-Pater" ein, für weitere aktuelle und Hintergrund-Informationen den Internetauftritt der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan zu besuchen ( http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/index.asp ).
Beim anschließenden Empfang mit Imbiss und Getränken inklusive zünftigem Bier aus örtlicher Brauerei wurde die Diskussion unter den Gästen aller Alters-gruppen und beruflicher Hintergründe und natürlich auch verschiedener Religionszugehörigkeiten vielfach lebhaft mit unterschiedlichen Denkansätzen fortgesetzt.
Das Liberale Netzwerk Lippe/Detmold wird im Verlauf des Jahres, voraussichtlich nach der Sommerpause erneut zu einer Veranstaltung einladen und seinen engagierten Beitrag leisten zur öffentlichen Diskussion und problemlösungs-orientierten Vertiefung von Themen aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Zeitgeschehen.
von SLN
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